Erniedrigte Eisenwerte verstehen – warum Eisen, Ferritin und Transferrin immer zusammen betrachtet werden sollten

Erniedrigte Eisenwerte- Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, innere Schwäche oder das Gefühl, nicht mehr wirklich belastbar zu sein – viele Menschen lassen in solchen Momenten ihre Eisenwerte überprüfen. Und wenn dabei erniedrigte Eisenwerte auftauchen, lautet die Empfehlung häufig: Eisen einnehmen. Doch so einfach ist es nicht.

Eisen ist kein isolierter Blutwert, sondern Teil eines fein abgestimmten Systems. Und dieses System hat – davon bin ich überzeugt – zwei Ebenen, die beide betrachtet werden müssen, wenn wirklich etwas in Bewegung kommen soll.

In diesem Artikel werde ich zunächst die körperliche Ebene des Eisenhaushaltes erklären: was Eisen, Ferritin, Transferrin und der Transferrin-Sättigungsgrad bedeuten, wie sie zusammenspielen und warum sie immer gemeinsam betrachtet werden sollten. Denn dieses Grundverständnis ist wichtig – es bildet die Basis.

Aber die Ebene, die mir persönlich viel wichtiger ist, die ich in meiner Praxiserfahrung immer wieder als die entscheidende erlebe und die meiner Meinung nach erst eine tatsächliche, nachhaltige Veränderung mit sich bringt, ist eine andere: die psychische und emotionale Ebene. Denn hinter erniedrigten Eisenwerten steckt in den allermeisten Fällen mehr als eine körperliche Ursache. Es steckt ein Mensch dahinter – mit seiner Geschichte, seinen Mustern und dem, was er über Jahre gelernt hat, wie er mit sich selbst umgeht.

Fangen wir also zunächst mit dem Körper an. Und kommen dann zu dem, was wirklich zählt.

Ein körperlicher, faktischer Blick auf die Blutwerte, die zum Eisenhaushalt gehören

Das Eisen

Wenn im Blutbefund von „Eisen“ die Rede ist, entsteht schnell der Eindruck, es gehe lediglich darum, bei erniedrigten Eisenwerten mehr eisenhaltige Lebensmittel zu essen oder ein Präparat einzunehmen. Doch genau hier beginnt eines der größten Missverständnisse rund um dieses Mineral.

Denn Speiseeisen – also das Eisen aus Nahrung oder Nahrungsergänzungsmitteln – ist zunächst nur ein Rohstoff. Ob es dem Körper tatsächlich zur Verfügung steht, hängt von weitaus mehr ab als der Menge auf dem Teller: von der Darmschleimhaut, der Magensäure, bestehenden Entzündungen, der aktuellen Stressbelastung und Begleitstoffen wie Vitamin C, Kupfer oder Zink. Mehr Eisen zuzuführen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Körper besser versorgt ist.

Eisen im Blut – das aktive Eisen

Der Eisenwert im Blut zeigt, wie viel Eisen aktuell im Umlauf ist – also unmittelbar für Sauerstofftransport, Zellversorgung, Energieproduktion und Konzentrationsfähigkeit zur Verfügung steht. Ein erniedrigter Wert signalisiert zunächst: Der Körper hat gerade zu wenig Eisen für seine laufenden Aufgaben.

Doch dieser Wert allein sagt noch nichts darüber aus, ob noch Reserven vorhanden sind – oder ob der Körper Eisen möglicherweise ganz bewusst zurückhält.

Ferritin – das Speichereisen

Ferritin gibt Auskunft darüber, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind. Es ist gewissermaßen das Depot, aus dem sich der Körper bei Bedarf versorgt – vor allem in Leber, Milz, Knochenmark und Muskulatur. Die entscheidende Frage, die Ferritin beantwortet, lautet: Hat der Körper noch Reserven – oder sind die Speicher bereits erschöpft?

Wenn Eisen erniedrigt ist, macht es deshalb einen großen Unterschied, ob Ferritin ebenfalls niedrig ist oder ob die Speicher noch ausreichend gefüllt sind. Erst diese Kombination erlaubt eine sinnvolle Interpretation.

Transferrin – das Transporteiweiß für Eisen

Eisen kann im Körper nicht frei zirkulieren. Es braucht ein Transportfahrzeug: das Eiweiß Transferrin. Transferrin bindet Eisen und bringt es dorthin, wo es gebraucht wird. Ohne ausreichend Transferrin kann Eisen weder effektiv transportiert noch genutzt werden – und kann im schlimmsten Fall sogar oxidativen Stress verursachen.

Ist Transferrin erniedrigt, liegt das Problem von erniedrigten Eisenwerten also nicht am Eisen selbst, sondern daran, dass zu wenig Eiweiß vorhanden ist, um es zu binden und zu transportieren. Mögliche Ursachen dafür sind eine unzureichende Eiweißzufuhr, Verdauungsprobleme oder eine gestörte Aufnahme im Darm. In einem solchen Fall wäre es sinnvoller, zunächst die Eiweißversorgung und die Verdauung zu unterstützen, statt ausschließlich Eisen zuzuführen.

Transferrin-Sättigungsgrad – wird das Eisen überhaupt gebunden?

Der Transferrin-Sättigungsgrad zeigt, wie viel des vorhandenen Transferrins tatsächlich mit Eisen beladen ist. Er beantwortet die Frage: Wird das Eisen überhaupt gebunden – oder bleibt Kapazität ungenutzt?

Ist viel Transferrin vorhanden, aber die Sättigung niedrig, bedeutet das: Die Transportkapazität wäre da, aber Eisen wird nicht ausreichend gebunden. Ist wenig Transferrin vorhanden bei gleichzeitig hoher Sättigung, nutzt der Körper das wenige, was ihm zur Verfügung steht, maximal aus. Diese Konstellationen machen deutlich, dass kein einzelner Wert für sich allein aussagekräftig ist.

Warum Eisenwerte sinken – und warum sofortiges Supplementieren oft nicht die Lösung ist

Erniedrigte Eisenwerte entstehen sehr häufig nicht durch zu geringe Zufuhr, sondern durch Verluste oder erhöhten Verbrauch. Regelmäßige Blutverluste – sei es durch starke Menstruation, Zahnfleischbluten oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt – führen automatisch zu einem Verlust roter Blutkörperchen und damit zu Eisenverlust. Auch chronische oder akute Entzündungen spielen eine wichtige Rolle: Sie verbrauchen Eisen, und gleichzeitig hält der Körper Eisen bewusst zurück, weil es Entzündungsprozesse verstärken könnte. Ein niedriger Eisenwert kann in diesem Fall sogar ein Schutzmechanismus sein.

Deshalb ist es so wichtig, sich bei erniedrigten Eisenwerten zunächst die Frage zu stellen: Warum verliert oder verbraucht mein Körper gerade Eisen? Bestehen Entzündungen, vielleicht im Zahnbereich, in den Gelenken oder im Darm? Gibt es Blutungen, auch okkulte, nicht sichtbare? Erst wenn diese Ursachen geklärt sind, macht eine Supplementierung wirklich Sinn – denn Eisenpräparate können andernfalls Magenbeschwerden, Übelkeit oder Verstopfung verursachen, ohne das eigentliche Problem zu lösen.

Und jetzt zum eigentlich Wichtigsten

Wir haben nun betrachtet, was Eisen, Ferritin, Transferrin und der Transferrin-Sättigungsgrad auf körperlicher Ebene bedeuten. Wir haben geschaut, welche Rolle Kupfer und Vitamin C spielen, warum Supplementierung allein oft nicht die Lösung ist und wie komplex das System Eisen im Körper wirklich ist.

Aber all das – so wichtig es ist – ist aus meiner Sicht nur die halbe Geschichte.

Denn in meiner Praxiserfahrung zeigt sich immer wieder dasselbe: Hinter erniedrigten Eisenwerten steckt in den allermeisten Fällen mehr als eine körperliche Ursache. Es steckt ein Mensch dahinter – mit seiner Geschichte, seinen Mustern, seinen unbewussten Überzeugungen und dem, was er über Jahre gelernt hat, wie er mit sich selbst umgeht.

Die Psyche ist, davon bin ich überzeugt, in den meisten Fällen die eigentliche Ursache. Nicht die einzige – aber die tiefste. Und solange sie nicht betrachtet wird, dreht sich vieles im Kreis.

Kommen wir also zu dem Aspekt, der in der klassischen Medizin noch viel zu selten einen Platz bekommt – und der aus meiner Sicht der entscheidende ist.

Eisen – darf ich wirklich lebendig sein? Und wie stabil bin ich in mir selbst?

Eisen ist das Mineral, das buchstäblich Leben ermöglicht. Ohne Eisen kein Sauerstofftransport, ohne Sauerstofftransport keine Energie, ohne Energie kein wirkliches Lebendigsein. Und genau das spiegelt sich häufig in dem wider, was Menschen mit erniedrigten Eisenwerten beschreiben – nicht nur körperliche Erschöpfung, sondern etwas Tieferes: ein inneres Nicht-mehr-da-Sein. Anwesend sein, aber nicht wirklich präsent. Funktionieren, aber nicht leben.

Doch Eisen steht nicht nur für Lebendigkeit. Es ist eines der stabilsten Metalle überhaupt – und diese Qualität trägt es auch auf die psychische Ebene. Eisen steht für innere Stabilität. Für ein Fundament, das hält – unabhängig davon, was von außen kommt.

Und das führt zu einer Frage, die sich lohnt, ehrlich zu stellen: Wie stabil bin ich eigentlich in mir selbst?

Nicht im Sinne von Unverletzlichkeit. Sondern im Sinne von: Wo steht mein inneres Fundament? Was hält mich, wenn es schwierig wird? Wenn Kritik kommt, wenn jemand etwas an mir in Frage stellt, wenn ein Angriff von außen mich trifft – wie reagiere ich innerlich? Gerät sofort alles ins Wanken, oder gibt es etwas in mir, das ruhig bleibt? Einen Kern, der weiß, wer ich bin, auch wenn jemand anderes das gerade anzweifelt?

Viele Menschen bauen ihre innere Stabilität unbewusst auf äußeren Säulen auf. Auf der Beziehung, die Sicherheit gibt. Auf der Arbeit, die Identität und Anerkennung schenkt. Auf der Rolle in der Familie, dem sozialen Gefüge, dem Bild, das andere von einem haben. Das ist zutiefst menschlich – und gleichzeitig fragil. Denn was passiert, wenn eine dieser Säulen wegfällt? Wenn die Beziehung zerbricht, der Job verloren geht, eine wichtige Rolle sich verändert? Dann kann das Fundament erschüttern – nicht weil man schwach ist, sondern weil es vielleicht nie wirklich im Inneren verankert war.

So können erniedrigte Eisenwerte ein Hinweis auf geringe innere Stabilität sein – auf ein Fundament, das gerade nicht trägt, weil es vielleicht nie wirklich im Inneren verankert war oder weil die Last des Lebens es gerade übersteigt.

Doch auch der umgekehrte Fall lohnt sich zu betrachten. Ein erhöhter Eisenwert ist nicht automatisch ein Zeichen von Stärke. Er kann manchmal auf eine Art künstliche Stabilität hinweisen – auf ein Zuviel an Anspannung, das sich als Festigkeit tarnt. Menschen, die funktionieren müssen. Die keine Schwäche zeigen dürfen – oder sich das zumindest selbst nicht erlauben. Die so lange stark gewesen sind, dass sie gar nicht mehr wissen, wie es sich anfühlt, einfach zu sein, ohne zu leisten.

Diese Art von Stabilität ist nicht gewachsen – sie ist aufgebaut. Mit Willen, mit Kontrolle, mit dem stillen Versprechen an sich selbst: Wenn ich nur stark genug bin, passiert mir nichts. Das kennen vor allem Menschen, die für andere da sein müssen – oft ohne Pause, oft ohne dass jemand fragt, wie es ihnen selbst geht. Mütter, die jeden Morgen funktionieren, die Kinder versorgen, den Alltag stemmen, stark sein müssen – auch dann, wenn sie innerlich längst am Limit sind. Menschen, die Angehörige pflegen und deren eigene Erschöpfung irgendwo im Hintergrund verschwunden ist, weil für sie schlicht kein Platz ist. Menschen, die eine Rolle tragen, aus der sie sich nicht einfach herausnehmen können – und die gelernt haben, die eigene Schwäche so tief wegzupacken, dass sie sie selbst kaum noch spüren.

Nach außen hin wirken diese Menschen oft stabil, verlässlich, unerschütterlich. Und das sind sie auch – aber nicht aus innerer Kraft, sondern aus innerer Notwendigkeit. Weil es keine andere Option zu geben scheint. Weil jemand anderes sie braucht. Weil der Alltag nicht wartet.

Aber Stabilität, die auf dauerhafter Anspannung beruht, kostet enorm viel Energie. Und irgendwann fordert der Körper diese Rechnung ein – auf die eine oder andere Weise.

Darüber hinaus trägt Eisen in der Welt der Metalle, Planeten und Heilsteine seit jeher eine ganz bestimmte Signatur. Es ist das Metall des Mars – des Planeten, der für Kraft, Mut, Durchsetzungsvermögen und Abwehr steht. Und damit auch für das, was traditionell als das männliche Prinzip bezeichnet wird: die Fähigkeit, sich zu behaupten. Grenzen zu ziehen. Für sich einzustehen. Aktiv zu gestalten, statt passiv zu erdulden.

Das sind Qualitäten, die nichts mit Geschlecht zu tun haben – sie sind in jedem Menschen angelegt. Und doch zeigt sich gerade hier oft eine tiefe Dissonanz: Wie gut kann ich mich durchsetzen? Traue ich mir zu, für meine eigenen Bedürfnisse einzustehen? Darf ich Kraft zeigen – oder habe ich gelernt, dass das gefährlich ist, unerwünscht, zu viel?

Eisen steht auch für Abwehr – die gesunde Fähigkeit, sich zu schützen. Sich abzugrenzen. Nein zu sagen. Angriffe von außen nicht einfach durchdringen zu lassen. Fehlt dieses innere Mars-Prinzip, fehlt oft auch die Stabilität – denn wer sich nicht schützen kann, wird leicht erschüttert.

Ferritin – was darf ich für mich behalten?

Von Eisen führt der Weg natürlich weiter zur nächsten Ebene: zu dem, was gespeichert ist. Ferritin zeigt, was vorhanden ist, wenn das Laufende nicht mehr reicht – die stillen Reserven, auf die der Körper zurückgreift, wenn die akute Versorgung erschöpft ist.

Psychisch ist das eine bemerkenswert tiefe Metapher. Was habe ich für mich selbst auf Lager? Was darf ich behalten – an Energie, an Ressourcen, an innerem Raum?

Menschen mit niedrigem Ferritin berichten oft nicht nur von leeren Speichern im Blut, sondern auch von dem Gefühl, schon lange auf Reserven zu leben. Immer wieder haben sie gegeben – an andere, an Aufgaben, an Erwartungen – ohne wirklich aufzufüllen. Manchmal hat das biografische Wurzeln: ein frühes Lernen, dass die eigenen Bedürfnisse warten müssen. Dass Fürsorge für andere wichtiger ist als Fürsorge für sich selbst. Dass es fast egoistisch wäre, etwas für sich zu behalten.

Hier lohnt sich die ehrliche, aber sanfte Frage: Erlaube ich mir überhaupt, Reserven zu haben? Gibt es in meinem Leben echte Erholungsphasen – nicht als Belohnung für geleistete Arbeit, sondern einfach weil ich sie brauche? Oder folgt auf jede Anstrengung sofort die nächste, weil Stillstand sich falsch oder gar gefährlich anfühlt?

Niedrige Ferritinwerte tauchen auffallend häufig bei Menschen auf, die für andere stark sind, sich selbst aber vergessen. Ferritin erinnert daran, dass Reserven nicht Luxus sind. Sie sind Notwendigkeit.

Transferrin und Transferrin-Sättigungsgrad – kann ich annehmen, was mir angeboten wird? Und darf ich auch nehmen?

Eisen kann im Körper nicht frei zirkulieren. Unkontrolliert würde es toxisch wirken – oxidativen Stress verursachen, Zellen schädigen, Schaden anrichten. Damit das nicht geschieht, braucht es Transferrin: das Transporteiweiß, das Eisen bindet, es sicher durch den Körper bewegt und erst dadurch nutzbar macht. Ohne Transferrin bleibt Eisen nicht nur ungenutzt – es wird zur Gefahr.

Und genau in dieser Qualität – binden, transportieren, in Bewegung bringen – liegt die psychische Tiefe dieses Wertes.

Denn Transferrin/ -Sättigungsgrad stellt im Grunde zwei sehr menschliche Fragen: Inwieweit habe ich gelernt, auch zu nehmen? Und bin ich überhaupt in der Lage, Bindungen einzugehen?

Geben und Nehmen sollten im Gleichgewicht sein. Das klingt einfach – und ist für viele Menschen doch eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Denn Geben fühlt sich oft sicher an. Kontrollierbar. Man weiß, woran man ist. Nehmen hingegen bedeutet, sich zu zeigen. Bedürftig zu sein. Sich auf jemanden einzulassen – und damit auch verletzbar zu werden. Viele Menschen haben nie wirklich gelernt zu nehmen. Nicht weil sie nicht möchten, sondern weil es sich falsch anfühlt. Zu viel. Unangemessen. Als würden sie jemandem zur Last fallen.

Ein erniedrigtes Transferrin zeigt sich häufig bei genau diesen Menschen – bei denen, die geben und geben, ohne wirklich empfangen zu können. Die sich im Nehmen unwohl fühlen, die Hilfe ablehnen, auch wenn sie sie bräuchten, die Fürsorge von anderen kaum landen lassen können. Aber Transferrin steht eben auch für Bindung an sich – für die Fähigkeit, sich überhaupt zu verbinden. Und so taucht hier eine weitere, oft sehr alte Frage auf: Kann ich Bindungen eingehen? Möchte ich das? Fühlen sich Bindungen sicher an – oder sind sie in meiner Erfahrung eher mit Schmerz, Verlust oder Enttäuschung verbunden? Wo liegen meine Ängste, wenn es um echte Nähe geht?

Ein erhöhtes Transferrin hingegen zeigt an, dass viel Bindungskapazität vorhanden ist – viel Möglichkeit, sich zu verbinden, aufzunehmen, anzunehmen.

Und hier wird es besonders interessant, wenn man die Werte in ihrer Kombination betrachtet. Denn erst das Zusammenspiel erzählt die eigentliche Geschichte.

Ist das Eisen niedrig, das Transferrin hoch und der Transferrin-Sättigungsgrad erniedrigt, dann bedeutet das auf körperlicher Ebene: Die Transportkapazität wäre da, aber das Eisen wird nicht gebunden. Psychisch übersetzt könnte das heißen: Ich hätte die Möglichkeit, Bindungen einzugehen. Ich hätte die Kapazität, mir Stabilität aufzubauen, anzunehmen, zu empfangen. Aber ich tue es nicht. Ich nehme mir die Stabilität nicht – obwohl ich könnte. Die Möglichkeit ist vorhanden, aber irgendetwas hält mich davon ab, sie wirklich zu nutzen. Vielleicht Angst. Vielleicht alte Erfahrungen. Vielleicht die tiefe, unbewusste Überzeugung, dass es sicherer ist, allein zu bleiben.

Je nachdem, welche Kombination der Werte sich zeigt, ergeben sich natürlich unterschiedliche psychische Bedeutungen. Es gibt nicht die eine Interpretation – sondern ein System, das immer im Zusammenhang gelesen werden möchte. Genau wie ein Mensch nie aus einem einzigen Merkmal heraus verstanden werden kann, sondern immer als Ganzes.

Kupfer und Eisen – wenn das weibliche Prinzip das männliche erst zum Leben erweckt

Eisen kann im Körper nicht alleine wirken. Es braucht Unterstützung – und eine der wichtigsten kommt vom Kupfer. Denn Kupfer ist maßgeblich daran beteiligt, dass Eisen überhaupt in seine aktive Form umgewandelt, aus dem Speicher mobilisiert und in die roten Blutkörperchen eingebaut werden kann. Ohne ausreichend Kupfer bleibt Eisen gewissermaßen unfertig – vorhanden, aber nicht vollständig nutzbar. Ein Eisenmangel, der sich trotz ausreichender Zufuhr nicht bessert, hat nicht selten einen Kupfermangel als stillen Hintergrund.

Und hier wird es – auf der symbolischen Ebene – wirklich bemerkenswert.

Denn in der Welt der Planetenzuordnungen gehört Kupfer zur Venus. Zum Planeten der Harmonie, der Verbindung, der Schönheit und der Beziehungsfähigkeit. Zum weiblichen Prinzip – zur Qualität des Empfangens, des Verbindens, des In-Beziehung-Tretens.

Eisen hingegen, das Metall des Mars, steht für das männliche Prinzip: Kraft, Durchsetzung, Stabilität, Abwehr.

Und nun das Erstaunliche: Ausgerechnet das weibliche Prinzip – Kupfer, Venus – ist es, das das männliche Prinzip erst vollständig werden lässt. Ohne Kupfer kann Eisen seine Kraft nicht entfalten. Ohne das Verbindende, Harmonisierende, Beziehungsfähige kommt das Starke, Durchsetzungsstarke nicht richtig zur Wirkung. Erst durch diese Verbindung – durch das Zusammenspiel beider Prinzipien – entsteht das, was der Körper braucht: funktionierende, lebendige Kraft.

Das ist vielleicht kein Zufall. Sondern eine sehr alte Wahrheit, die die Biochemie hier auf ihre eigene nüchterne Art bestätigt: Stärke braucht Verbindung. Das Männliche braucht das Weibliche. Und erst im Gleichgewicht beider entfaltet sich das volle Potential. Also – bei erniedrigten Eisenwerten sollte immer auch ein Blick auf das Kupfer geworfen werden!

Vitamin C und Eisen

Noch zu erwähnen sei, dass Eisen ist auf Begleitung angewiesen – nicht nur auf Kupfer, sondern auch auf Vitamin C. Denn Vitamin C ist einer der wichtigsten Cofaktoren für die Eisenaufnahme: Es wandelt das pflanzliche Eisen in eine Form um, die der Darm überhaupt aufnehmen kann, und erhöht die Bioverfügbarkeit von Eisen im Darm erheblich. Wer eisenreiche Lebensmittel zu sich nimmt, aber gleichzeitig an Vitamin C Mangel leidet, wird trotz ausreichender Zufuhr wenig davon haben. Die beiden gehören zusammen – biochemisch untrennbar.

Eisen-Supplementation – macht eine Ergänzung Sinn?

Die häufigste Reaktion auf erniedrigte Eisenwerte ist eine vertraute: Eisen verschreiben. Oft ohne einen Blick auf das Gesamtbild – ohne Ferritin, ohne Transferrin, ohne die Frage, warum der Körper überhaupt zu wenig Eisen hat oder warum er es nicht hält. Ein Wert ist niedrig, also wird substituiert. So funktioniert ein Großteil der therapeutischen Praxis rund um das Thema Eisen.

Dabei gibt es einiges zu bedenken – auf körperlicher wie auf psychischer Ebene.

Zunächst das Offensichtliche: Eisenpräparate brauchen zwingend Vitamin C, um überhaupt aufgenommen werden zu können. Ohne diesen Cofaktor verpufft ein Großteil der Wirkung. Gleichzeitig verträgt der größte Teil der Menschen Eisentabletten schlicht nicht gut – Verstopfung, Magenschmerzen und Übelkeit sind keine seltenen Nebenwirkungen, sondern die Regel. Und auch die Lösung, Vitamin C in höherer Dosierung oral dazu einzunehmen, funktioniert nicht für jeden – denn wie verträglich das ist, hängt maßgeblich vom Zustand der Magenschleimhaut ab.

Bei stärkerem Eisenmangel greifen manche Ärzte zur Eiseninfusion. Sie gilt als schnell und effektiv – und ist gleichzeitig das, was ich als Hauruck-Therapie bezeichnen würde. Denn bei einer Infusion lässt man dem Körper im Grunde keine Wahl mehr. Er kann nicht regulieren, nicht dosieren, nicht entscheiden, ob und wie viel er aufnehmen möchte. Das Eisen wird einfach eingebracht – ob der Körper bereit ist oder nicht. Dass Eiseninfusionen häufig schlecht vertragen werden und Nebenwirkungen mit sich bringen, überrascht mich deshalb nicht. Es sei denn, man ist der Typ „Augen zu und durch“ – dann mag das die passende Strategie sein.

Aber der Aspekt, der mir aus meiner Erfahrung heraus am wichtigsten ist, ist ein anderer.

Wenn der psychische Anteil nicht betrachtet wird – wenn niemand fragt, was hinter dem Eisenmangel auf einer tieferen Ebene steckt – dann bringt die reine körperliche Supplementierung aus meiner Sicht oft wenig. Und das hat einen sehr konkreten Grund.

Wenn jemand psychisch noch nicht an dem Punkt ist, Stabilität anzunehmen – wenn das Thema Bindung, Selbstwert oder innere Kraft noch gar nicht berührt wurde – dann wird der Körper, wird die Psyche, mit der plötzlichen Zufuhr von Eisen überfordert sein. Denn Eisen bedeutet auf dieser Ebene: Stabilität. Kraft. Sich behaupten. Bindungen eingehen. Und wenn all das psychisch noch nicht bearbeitet, noch nicht einmal angeschaut wurde, dann ist es für viele Menschen innerlich zu viel, wenn der Körper plötzlich in diese Richtung gedrängt wird – ohne dass die Seele mitgegangen ist.

Deshalb gehört es für mich immer dazu, demjenigen zu erklären, welcher psychische Aspekt hinter seinem Eisenhaushalt stecken könnte. Und dann – behutsam, ohne Druck – zu fragen: Fühlst du dich bereit, dass sich dieses Thema verändern darf?

Denn nachhaltige Veränderung beginnt nie im Blut. Sie beginnt im Bewusstsein.